Chorworkshop mit Andreas Heinemeyer vom NDR Vocal-Ensemble
„Bleib bei uns, denn es will Abend werden“, schon hundert Mal gesungen, zumindest die erste Zeile dürften wir ja wohl hinbekommen. – Dachten wir. Und dann hat Andreas Heinemeyer mit uns diese ersten acht Worte auseinandergenommen.
Heinemeyer ist Bariton beim NDR-Vocalensemble, hat Gesang studiert und kennt sich ganz genau aus mit den Feinheiten der Chormusik. Heute ist er bei uns zu Gast, um uns in einem Workshop mal zu zeigen, wie man den Klangfelder-Sound noch ein ganzes Stück aufpolieren kann.
Dass man das „bleiiib beii…“ nicht so breit singt, sondern eher vertikal, in die Länge, hören wir. Das muss man erstmal verstehen. Wir sollen uns den Konsonanten „a“ denken und das „ei“ eher wie ein „aaaii“ singen. Und dann erfahren wir, dass der Raum, den man im Kopf, im Mundraum, beim Singen formt, nicht nur unterschiedliche Klanglaute hervorbringt, sondern auch schuld ist, wenn sich ein Ton plötzlich tiefer anhört als der nächste. Obwohl wir doch den ein und denselben Ton gesungen haben, nur einmal eben mit dem Laut „i“ und den nächsten mit dem Laut „a“. Der Resonanzraum ist ein anderer, und schon ist die Gefahr groß, dass die beiden Laute in ihrer Höhe unterschiedlich klingen. Oder, sagen wir so: Sie klingen nicht einfach nur unterschiedlich, wir haben sie offenbar auch unterschiedlich gesungen.

Von solchen Stellschrauben findet Andreas im Laufe dieses Tages so einige. Konsonanten ganz schnell, quasi „weg“-singen, bringt er uns bei, weil der Klang vor allem in den Vokalen sitzt. Wir lernen zu den Melodiephrasen weite Armbewegungen zu machen, den Klangraum in uns zu erweitern – und schon klingt der Ton auch weiter. Wir probieren, mit den Augen zu strahlen und schon klingt der Ton strahlender. Phänomenal!
Jetzt müssen wir all das nur noch behalten, das aufeinander hören, das gemeinsame Einsetzen, das richtige Atmen, das eine denken, während wir das andere singen.
Andreas Heinemeyer hat uns diesen Workshop gegeben, nicht, weil er damit viel Geld verdient (im Gegenteil, so viel Qualifikation könnte er sicher teuer verkaufen), sondern, weil er Chormusik mag. – Weil er der Musik etwas zurückgeben möchte, hat er gesagt. Danke für diese großartige Weiterbildung, sagen wir!
Für kurze Momente blitzte da heute bei uns Klangfeldern etwas auf: Irre, wie wir klingen könn(t)en! – Wenn es nicht so unglaublich schwierig wäre, all das zu bedenken, während man doch eigentlich nur „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ singt.